Weit draussen klein2Lothar Wendt im Freitagsgespräch mit Janina Schmidt vom Pinneberger Tageblatt 

 

 

 

Wir freuen uns sehr, den folgenden Artikel von Janina Schmidt aus dem Pinneberger Tageblatt auf unsere Hompage setzen zu dürfen. Der original Artikel erschien am 24. August 2018 in der Ausgabe 197.

 

 

Lothar Wendt, Vorsitzender des Modellflugvereins Borstel-Hohenraden, setzt auf gegenseitige Unterstützung in der Gemeinde

Beruflich war Lothar Wendt bis zu seiner Pensionierung 2008 in der Unteroffiziersschule der Luftwaffe für die Organisation der Lehrgänge verantwortlich. Im Ehrenamt ist er seit 30 Jahren Vorsitzender der Flugtechnischen Gemeinschaft Borstel-Hohenraden (FTG). Seit dem ersten Juli 1978 gehört er als aktives Mitglied dem Verein an. „Aufgrund gewisser Auflagen für den Flugverkehr ist unser Gelände außerhalb des Dorfes gelegen“, sagt Wendt im Freitagsgespräch. „Aber wir sind mittendrin, fühlen uns eng verbunden mit Borstel-Hohenraden.“

125 Mitglieder gibt es im Verein aktuell, darunter 12 Jugendliche. Maximal nimmt die FTG 130 Mitglieder auf. „Wir haben uns eine Obergrenze gesetzt, um die Anwohner nicht zu sehr zu belasten“, sagt Wendt. „Die Flugobjekte, die hier starten, müssen in Ordnung sein.“ Die fliegen zwar nie außer Sichtweite, aber dennoch über vereinsfremdem Boden. Das birgt Verantwortung. Überhaupt vermittelt der Vorsitzende ein Bild gegenseitiger Wertschätzung und tatkräftiger Hilfe innerhalb der Dorfgemeinschaft mit anderen Vereinen, der Feuerwehr und den umliegenden Bauern im Hanredder. Besonders die Partnerschaft mit der Feuerwehr lobt Wendt. „Und die Bürgermeister , sowohl Jürgen Rahn als auch jetzt Harm Kähler, sind Amtsträger zum Anfassen“, sagt er. Sie seien erreichbar, kämen auch mal hinaus auf den Flugplatz und machten sich selbst ein Bild.

An einen Anruf im vergangenen Jahr erinnert sich Wendt noch gut: Der damalige Bürgermeister Rahn hatte angefragt, ob die Bogenschützen des TuS Borstel-Hohenraden auf dem Gelände trainieren dürften. Ihnen fehlten Flächen für das Sommertraining. Bei einer Mitgliederversammlung sei das einstimmig beschlossen worden, die Schützen hatten sogar schon einige Male geschossen. Doch Wendt wurde abgeraten: „Wenn wir das rechtlich korrekt hätten abwickeln wollen, hätten wir eine Nutzungsänderung beantragen müssen. Und das hätte unseren Bestandsschutz gefährdet. Deswegen mussten wir das leider doch abbrechen“, erinnert sich Wendt. Dennoch: Geholfen hätte man gern.

Gelungen ist diese Hilfe hingegen bei anderen Gelegenheiten. Ein 60 Mitglieder starker Trupp des Vereins hat neben der jährlichen Pflege der eigenen Anlage beispielsweise den Garten des damals zugekauften Hauses zur Unterbringung der Flüchtlinge an der Quickborner Straße in Schuss gebracht. Damit ist die Beteiligung an Arbeitsaktionen bei der FTG überdurchschnittlich hoch. Ein Grund dafür könnte die gute Organisation der Aktionen durch Wendt sein. „Hier stehen ausreichend Arbeitsmaterialien und wir überlegen uns vorher den Berufsgruppen entsprechend, wer was macht. So sind alle sinnvoll beschäftigt.“ Man sei effektiv, die Gemeinschaft werde gestärkt und hinterher gebe es immer ein gemeinsames Essen.

2016 hatte der Verein zu kämpfen. Durch die Zunahme von Drohnen im öffentlichen Raum wollte der damalige Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Luftverkehrsordnung anpassen. Dabei sollten die oft wild fliegenden Drohnen und die Modellflieger gleich behandelt werden. „Dagegen haben wir uns erfolgreich zur Wehr gesetzt. Modellflieger fliegen geordnet und genehmigt an ihren Flugplätzen. Das muss man trennen“, sagt Wendt. „Und das hat geklappt“.

Jugendliche Technikbegeisterte, die bei der FTG vieles über Flugtechnik lernen, was man auf große Maschinen übertragen kann, haben dort schon ihre Bestimmung gefunden: So mancher Junge begann eine Pilotenausbildung. Nur an weiblichen Fliegerfreunden mangelt es: Nicht eine Frau ist im Verein. Das bedauert Wendt. Frauen und Technik – das sei eine gute Kombination. Bei der Luftwaffe habe er erkannt: „Frauen sind richtig gut geeignet. Gerade bei der Anspannung und dem Stress beim Fliegen von Hochgeschwindigkeitskampfjets sind sie Männern oft überlegen“, sagt er.

Die Öffnung der Bundeswehr für Frauen sei ein enormer Gewinn gewesen. Das Klima und Denken in der Truppe ist verändert. „Ich bin dankbar, dass ich das noch erleben durfte“, sagt er. Im Modellfliegerverein durfte Wendt diesen gesellschaftlichen Wandel bislang nicht erleben. „Die erste Frau, die zu uns kommt, ist ein Jahr beitragsfrei“, kündigt er an.

 

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