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Die Kärntner Rarität

 

 

 

 

 

Die Geschichte meiner Oberlerchner JOB-15

Abgesehen davon, dass wir Modellflieger sowieso eine besondere Beziehung zur allem haben, was fliegt, gibt es doch bei jedem einzelnen von uns ein Fluggerät, zu dem er aus der Vergangenheit heraus oder aus purem Gefallen ein besonderes Verhältnis pflegt.

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Solch ein besonderes Verhältnis habe ich zum wenig bekannten österreichischen Schlepp- und Sportflugzeug Oberlerchner JOB-15, das in den 60er Jahren in Kärnten konstruiert und dort in geringer Stückzahl gebaut wurde. An zahlreichen Flügen in der JOB nahm ich in den späten 90er Jahren teil, denn dieses schicke und leistungsstarke Flugzeug gehörte –und gehört noch heute- der „Flugtechnischen Arbeitsgemeinschaft an der FH Aachen e.V.“. An dieser Fachhochschule war ich nach dem Studium im Rahmen eines Forschungsprojekts noch einige Jahre angestellt und „unsere“ JOB-15 wurde für diverse Flugtests verwendet, bei denen ich gerne einen der zwei Gastsitze einnahm. Die Piloten schwärmten von den Flugeigenschaften dieses schönen Flugzeugs, von dem in Deutschland nur rund ein Dutzend fliegen, und auch ich als Mitflieger war begeistert. Auch deshalb wuchs in mir schon damals der Wunsch, dieses Teil irgendwann einmal als Modell zu fliegen.

Seit meinem Umzug von Aachen in das Hamburger Umland suchte ich immer wieder nach einem Modellbausatz der JOB-15. Leider wurde meine Suche regelmäßig enttäuscht; bis heute gibt es nach meinem Wissen weltweit keinen Anbieter eines RC-Modells der Oberlerchner JOB-15. Die Zeitschrift „Fliegermagazin“ schrieb über die JOB im März ´13: „In einem Koordinatensystem mit den Achsen „Bekanntheit“ und „Verbreitung“ würde man die JOB gleich neben dem Nullpunkt finden, wenn überhaupt.“

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Seit dem Sommer 2015 verfüge ich endlich über eine ausreichend große Kellerwerkstatt und begann im Winter 2015/2016 endlich mit der Eigenkonstruktion meiner JOB. Der Maßstab zum Original ergab sich aus zwei Forderungen: der vorhandene 80-ccm-Boxermotor musste komplett unter die Motorhabe und der Flieger bei besetztem Beifahrersitz in meinen Passat Kombi passen. So ergab sich der Maßstab als 1:3,2. Das angestrebte Fluggewicht betrug bei einer Spannweite von ca. 3,15m etwa 16 kg.

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Als Quelle für die Modellmaße  hatte ich eine mäßig gute Dreiseitenansicht, einige selbst genommene Original-Maße sowie jede Menge Fotos, teils selbstgemacht, teils aus dem Internet, zur Verfügung. Mein Anspruch an die Güte des Nachbaus: die wenigen selbst gemessenen Längen (eigentlich nur Rumpfbreiten und –höhen an verschiedenen Stellen) bestmöglich einhalten, der Rest sollte den vorhandenen Fotos möglichst nahe kommen, so dass das Modell von Fachleuten zweifelsfrei als JOB-15 erkannt wird.

 

 

 

 

Nachdem die ersten Umrissskizzen des Modells auf Plotterpapier von der Rolle händisch mit Bleistift gezeichnet waren (selbst mit DIN-A0-Bögen kommt man hier nicht mehr weit), stellten sich viele Fragen, auf die ich zunächst keine Antworten hatte:

Woher bekomme ich einen Fahrwerksbügel mit den passenden Winkeln und Längen? Gibt es ein möglichst ähnlich aussehendes Heckfahrwerk zu kaufen? Welche Kabinenhaube „von der Stange“ ist geeignet, um an meinem Modell die markante Klarsichthaube, das „Gesicht“ der JOB, angemessen darzustellen? Wie baue ich den notwendigen Haubenrahmen?

Trotz der vielen ungelösten Fragen begann ich mit dem Bau des Flugzeugs und habe in dessen Verlauf die Antworten gefunden, die leider immer hießen: KEINER vertreibt die JOB-spezifischen Teile, die für einen 1:3,2-Nachbau benötigt werden, alles muss selbst gemacht werden.

Und so entstanden nicht nur ein riesiger Holzrumpf in Kasten- und Fachwerkbauweise,  neun Zentimeter dicke Styropor-Abachi-Flügel mit Spaltklappen, alle Ruder in Rippenbauweise sowie die Motorhaube als GfK-Teil einschl. Negativformen, sondern bei einem Metallbauer auch der große Fahrwerkbügel und das gefederte Heckfahrwerk. Die Krönung des Aufwandes aber war die Herstellung der Kabinenhaube: hier musste zunächst mal das Tiefziehen an kleinen Mustern am heimischen Backofen erlernt werden. Mit den wenigen dabei gemachten Erfahrungen wurden schließlich die ausreichend große Tiefziehvorrichtung (82 x 55cm, drei Staubsaugeranschlüsse) und zwei Tiefziehklötze für die JOB-Haube hergestellt. Letztlich musste auch noch ein Ofen zum Erhitzen der PET-Platten gebaut werden. Glücklicherweise gelang das Tiefziehen der Haubenhälften bereits nach nur einem Fehlversuch.

Nach vier Jahren „sinnvoller Freizeit“ in der Kellerwerkstatt, unterbrochen von einigen wochenlangen freiwilligen oder fremdgesteuerten Pausen, flog am 20. September diesen Jahres zum ersten Mal das Modell einer Oberlerchner JOB-15 über Borstel-Hohenraden. Es war ein tolles Gefühl, mit sehr gutmütigen Flugeigenschaften (trotz 20 kg Fluggewicht) und einem herrlichen Flugbild für die vielen Mühen belohnt zu werden. Ohne Änderungen am Modell machte ich am Folgetag fünf weitere tolle Flüge. Ich freue mich schon auf die nächsten!

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Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass meine Modell-JOB-15 doch nicht so ganz allein auf der Welt ist: nahe dem österreichischen Ort Seebach, wo das Original der JOB-15 gebaut wurde, ist eine Scale-Version in Originalbauweise (Stahlrohrrumpf, beplankte Rippenflügel) im Maßstab 1:3 entstanden. Mit dem Erbauer pflege ich mittlerweile einen regen E-Mail Kontakt; er wird mich über den Erstflug seiner JOB-15 informieren, der in Kürze stattfindet. Eventuell steht ihm dabei der mittlerweile 92-jährige Konstrukteur der Original JOB-15, Fritz Birkner, der der JOB das „B“ gab, zur Seite.

Oktober 2019, Frank Mehling

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