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Der Spinner

 

 

 

 

Der Spinner! Von Lothar Wendt

„Wat is eijendlich nen Spinner, da stellen wir uns mal janz dumm und schauen im Duden nach“!

Der Duden benennt 4 Bedeutungen:

  1. Den Facharbeiter in einer Spinnerei (Berufsbezeichnung)
  2. Jemand, der wegen seines absonderlichen, skurrilen, spleenigen Verhaltens auffällt, als Außenseiter betrachtet wird. Von dieser Gruppe hat Jürgen Krüger in seiner Reihe „Modellfliegertypen“ schon einige Modellbauspinner ausreichend typisiert.
  3. Nachtfalter, dessen Raupen Kokons spinnen.
  4. Zum Fang von Raubfischen dienender, mit Angelhaken versehener metallischer Köder, der sich, wenn er durchs Wasser gezogen wird, um die Längsachse dreht und so einen kleinen Fisch vortäuscht.

Eigentlich muss „man“ schon ein ziemlicher Sonderling sein, wenn für das Traumprojekt zum Schluss der „Spinner“ als Krönung und als Spitze des Jägers Me 109 offen ist und eine große Herausforderung darstellt. Eine Me 109 ohne Spinner an der Rumpfnase ist eben nur halb fertig!

Da es keine Bauteile für mein Eigenbauprojekt Me 109 E trop. auf dem Markt gibt, musste diese einzigartige Aerodynamische Haube selbst angefertigt werden.

Wer an dieser Stelle nicht mehr weiterlesen kann oder will, findet am Ende des Artikels einen Link auf die Sammlung der wunderbaren Baustufenfotos.

Was wird benötigt, um dieses Projekt zu realisieren:

Einige Erfahrungen im Formenbau und den Umgang mit entsprechenden Arbeitsmitteln, wie z.B. Formenharz, Glas / Kohlegewebe und Laminierharz. Ganz wichtig ist auch ein Modellfliegerfreund wie Thomas Münster, der die Drehbank beherrscht.

Zwei Grundsätze im Modellbau habe ich immer erfolgreich angewendet:

  1. Kein Projekt ohne vernünftige Planung.
  2. Skelett vor Detail.

So wurden zunächst Pläne gezeichnet, um die richtige Größe und Form herauszuarbeiten. Danach hat Thomas an der Drehbank den Rohling für unseren „Spinner“ aus einem Hartkunststoff gedreht. Dabei hat er bereits auf eine top Oberflächengüte geachtet. Diese Oberfläche hilft später beim Ausformen ungemein.

Nach diesem Arbeitsgang und einigen „Werkstattkaffees*“ in Thomas' Werkstatt, wurde das Urmodell gewachst und mit einem Folienfilm behandelt. Dieses polierte Modell wurde nun auf eine beschichtete Spanplatte geschraubt und mit Formenharz eingestrichen. Unser Formenharz war mit Metallpulver versehen und hat tixotrope Eigenschaften, d.h., es läuft an senkrechten Wänden nicht herunter.

Kurz bevor das Formenharz aushärtet trugen wir eine Kupplungsschicht auf. Diese Schicht sorgte für eine gute Verbindung zwischen Formenharz und dem nachfolgenden Laminataufbau. Zuvor hatte ich einen Festo-Anschluss an dem Formteil befestigt, um beim Entformen mit Pressluft den Ausformvorgang zu unterstützen. Bei der Negativform habe ich auf eine zweiteilige Form verzichtet. Denn unser Spinner ….dreht sich um die Längsachse!!!... und sollte möglichst genau gearbeitet werden.

Nach dem Ausformen unserer Form wurde diese noch gesäumt und gereinigt. Achtung: immer alle Glasspitzen wegschleifen, wegen zu großer Unfallgefahr.

Die Negativform wurde noch einmal gereinigt und mehrfach mit Trennwachs behandelt und poliert. Zum Abschluss erfolgte die Folientrennmittelbehandlung.

In die vorbereitete Form kam unser Deckharz. In diesem Fall „farblos“. Deckharz verhindert das Mikrolufteinschlüsse zu sehen sind und sorgt vor allem dafür, dass unser Laminat beim hineinlegen nicht wieder „aufsteht“! Denn bevor das Deckharz aushärtet wird mit Laminierharz und Kohlelaminat weitergearbeitet. Besondere Beachtung fand der Zuschnitt der Kohledreiecke. Diese mussten exakt gleich sein, damit der Spinner anschließend sauber rund läuft.

Der Festo-Anschluss wurde an Pressluft angeschlossen und mit einem lauten Krachen lag das Objekt vor mir! Inzwischen hatte Thomas für Späne gesorgt und eine saubere Rückplatte für unseren Spinner gefertigt. Rückplatte und Spinnerhaube wurden mit eingedicktem Harz zusammengefügt! Achtung: Trennmittel nicht vergessen!!! Jetzt passte der Spinner saugend zusammen und die Haube wurde an der Rückplatte mit kleinen M2 Schrauben befestigt. Es folgte die Lackierung und der Anbau an das fertige Modell. Jetzt ist es eine Me 109 E trop.

Nachdem ich mich an dem Anblick erfreut hatte, kam die Frage nach der Definition von "Spinner" wieder auf! Ich würde sie heute anders beantworten!

Das fertige Werk für die perfekte Me 109.

Was für ein Spinner!

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Lothar Wendt im Mai 2020

* Werkstattkaffee ist ungefähr 2x so stark wie normaler Kaffee, wird in einem Becher aus Edelstahl serviert und der Löffel ist aus Alu und aus dem Vollen gefräst.

Alle Fotos von der Entstehung des sensationellen Spinners der Me 109 gibt es hier, einfach klicken.

 

 

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